GEHIRN GEHÖRT - PROF. DR. VOLKER BUSCH
Die Ausweitung psychischer Diagnosen hat dazu geführt, dass wir uns kränker machen, als wir sind
Veröffentlicht am 01.11.2026 / 00:05
Der Zugang zu einer psychischen Störung ist heute recht niederschwellig: Wer unkonzentriert ist, gerät in Verdacht ADHS zu haben. Wer sich danebenbenimmt, wird zum toxischen Narzissten erklärt. Und wem das Auftreten in einer Gruppe oder in der Öffentlichkeit peinlich ist und sich lieber zurückzieht, wird eine soziale Phobie unterstellt.
Viele Auffälligkeiten werden in unserer heutigen Zeit mit (zum Teil) völlig absurden Krankheitsnarrativen etikettiert, die die Statistiken belasten – und das Gesundheitssystem gleich mit.
Es gehört zu einer der größten Enttäuschungen in unserem Land, dass es trotz eines größer gewordenen Bewusstseins für die Psyche und verbesserter Behandlungsmöglichkeiten bislang nicht zu einer Abnahme psychischer Erkrankungen kam. Die unbequeme Frage lautet: Könnte die Inflation an Diagnosen, Aufklärungskampagnen, Social Media Beiträgen und einer kaum noch überschaubaren Zahl an Ratgeber- und Therapieangeboten vielleicht das Gegenteil bewirkt haben?
In der aktuellen Folge von GEHIRN GEHÖRT hinterfrage ich den Boom psychischer Diagnosen: Werden wir wirklich kränker – oder reden wir uns krank? Kann man sich in der heutigen Welt, in der wir so viel über Symptome, Beschwerden und Krankheiten reden, überhaupt noch rundum gesund fühlen? Ab wann gilt man eigentlich als psychisch krank und wo holt man sich am besten Hilfe, wenn man sich nicht sicher ist?
In dieser besonderen Folge reisen wir miteinander in die Antike, und wir werden eine Kommode aus Holz bauen mit vielen Schubladen und Fächern. Ich erzähle Ihnen von einer bizarren Epidemie nach einem YouTube Video. Wir sprechen über die angebliche Sad Girl Depression auf Instagram und Aufklärungsprogramme, die Jugendliche kränker machen statt gesünder. Ich nehme Sie mit auf eine skurrile Weiterbildung, die total aus dem Ruder lief, und ich beichte Ihnen eine ziemlich peinliche Geschichte von mir.
Der Podcast will psychisches Leid nicht verharmlosen, sondern den Versuch wagen, zwischen echtem Leid und dem ganz normalen Leben zu unterscheiden.
Ich spreche über dieses Thema, weil mir die Sorgen und Nöte meiner lieben Patienten und Klienten sehr am Herzen liegen.
Ihrem Schutz gilt diese Folge.
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